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Materialkunde - Verleimungsarten für Holz und Plattenwerkstoffe

Verleimungsarten für Holz und Holzplattenwerkstoffe

Die Verleimung ist ein zentrales Verfahren in der Holzverarbeitung. Dabei werden Holz oder Holzwerkstoffe durch Klebstoffe dauerhaft miteinander verbunden. Je nach Anwendung, Beanspruchung und Umweltbedingungen kommen unterschiedliche Verleimungsarten zum Einsatz. Diese unterscheiden sich in Klebstofftyp, Konstruktion und Beständigkeit.

1. Einteilung nach Beanspruchungsgruppen (DIN EN 204)

Die Norm DIN EN 204 klassifiziert Verleimungen in vier Beanspruchungsgruppen (D1 bis D4), je nach Feuchtebeständigkeit:

  • D1: Für trockene Innenräume, geringe Belastung (z. B. Möbel im Wohnbereich).

  • D2: Für Innenräume mit gelegentlicher, kurzfristiger Feuchtigkeit (z. B. Küchenmöbel).

  • D3: Für feuchte Innenräume oder geschützten Außenbereich (z. B. Fensterrahmen).

  • D4: Für hoch beanspruchte Verbindungen, auch bei direkter Bewitterung (z. B. Fassadenelemente, Gartenmöbel).

2. Gängige Klebstoffarten und ihre Eigenschaften

  • Weißleim (PVAc – Polyvinylacetat):
    Gängiger Leim für Möbelbau, in Varianten für D1–D3 erhältlich, einfach zu verarbeiten.

  • PUR-Leim (Polyurethan):
    Hohe Festigkeit, sehr gute Wasser- und Wärmebeständigkeit (bis D4), schäumt leicht auf.

  • Phenol-Formaldehyd (PF) / Resorcinharzleime:
    Dunkle Fuge, extrem witterungsbeständig, für tragende Bauteile (z. B. Leimbinder).

  • Harnstoff-Formaldehyd (UF):
    Harte, feste Klebefuge, oft im Plattenbau (z. B. Sperrholz), weniger feuchtebeständig.

  • Epoxidharz:
    Sehr belastbar und chemikalienbeständig, vor allem im Bootsbau oder bei strukturellen Anwendungen.

3. Verleimungsarten nach Konstruktion

  • Flächenverleimung:
    Zwei oder mehr flächige Teile werden vollflächig miteinander verbunden (z. B. Tischplatten).

  • Kantenverleimung:
    Verbindung entlang der schmalen Seite, z. B. bei Parkett oder Massivholzplatten.

  • Längsverleimung (Keilzinkenverbindung):
    Zur Verlängerung von Holzteilen, oft maschinell mit Keilzinken ausgeführt.

  • Fugenverleimung:
    Bei der Herstellung von mehrschichtigen Platten wie Sperrholz oder Multiplex.

4. Verleimung bei Holzwerkstoffen

Holzwerkstoffe wie Spanplatten, MDF, OSB oder Sperrholz sind oft bereits industriell mit Leimen verpresst. Die wichtigsten Verleimungen bei Holzwerkstoffen:

  • Sperrholz: Querlagen mit UF- oder PF-Leimen wasserfest verleimt.

  • Spanplatte/MDF: Harnstoffharze, bei feuchtfester Variante auch Melaminharze.

  • OSB-Platten: Verleimung mit PMDI-Klebstoffen (Polymer-Methylendiisocyanat), hohe Festigkeit und Feuchtebeständigkeit.

5. Umweltaspekte und Emissionen

Moderne Klebstoffe unterliegen strengen Vorschriften hinsichtlich Formaldehydemissionen. Produkte mit E1-Klassifizierung gelten als emissionsarm. Es gibt auch formaldehydfreie Alternativen (z. B. PU, PMDI). Nachhaltige Entwicklungen setzen vermehrt auf bio-basierte Klebstoffe.

6. Sperrholz / Multiplex / Baufurniersperrholz (Platten-Verleimung)

Bezeichnung Beständigkeit Typischer Einsatzbereich Leimfuge / Klebstoff (typisch) Empfehlung (Kaufhilfe) Typische Anwendungen Wichtige Hinweise
V20 / AW20 nicht wasserbeständig Innen trocken meist helle Leimfuge Standard für Möbel & Innenausbau, wenn kein Wasser/Spritzwasser zu erwarten ist Möbel, Schränke, Verkleidungen nicht für Bad/Küche
IF20 beständig bei niedriger Luftfeuchte Innen trocken helle Leimfuge (häufig Harnstoffharz) Wenn es „optisch sauber“ und innen bleibt Möbelbau, Innenausbau nicht wetterfest
IF/E1 wie IF, zusätzlich emissionsarm (E1) Innen trocken wie IF Für Innenräume mit Fokus auf geringe Emissionen Wohnraum, Möbel E1 ist Emissions-/Deklarationsmerkmal
MR – LFE wie IF, formaldehydarm Innen trocken wie IF Gute Wahl für Wohnräume, wenn „formaldehydarm“ gewünscht ist Möbel/Innenausbau nicht feucht, nicht außen
IW67 erhöhte Feuchte, Wasserberührung bis ca. 67°C Innen feucht je nach Platte Für Bad/Küche und feuchte Räume, aber nicht für dauerhaft draußen Innenausbau mit hoher Luftfeuchte nicht wetterbeständig
A (A100) kalt/heißes Wasser begrenzt Innen feucht / teils geschützt robustere Harze Wenn’s innen feucht wird und etwas mehr Reserve nötig ist Innenbereiche mit Feuchte nur begrenzt außen
V100 / AW100 wasser- und kochfest Außen & starke Feuchte meist dunkle Leimfuge (Phenol/Resorcin/Melaminharze) Beste Wahl für draußen, Boot/Fahrzeug, feuchte Belastung Außenanwendungen, Boots-/Fahrzeugbau Kantenversiegelung bleibt wichtig
V100G / AW100G wie AW100 + Holzschutz Außen + Pilzrisiko wie AW100 Für Außenbereiche mit dauerhaft hoher Feuchte oder Risiko von Pilzbefall Außen, konstruktiver Holzbau „G“ = Holzschutz
BFU20 nicht wetterbeständig, Bau-Sperrholz Bau innen trocken je nach Ausführung Bauplatten im Innenbereich, wo es trocken bleibt Innenkonstruktionen historisches Kürzel, oft noch im Handel
BFU100 wetter-/feuchtebeständiger Bau feucht bis außen robustere Harze Wenn Bauplatte mehr Feuchte aushalten muss Feuchte Zonen, teils außen je nach Platte deklarationsabhängig
BFU100G wie BFU100 + Holzschutz Bau außen + Pilzschutz wie BFU100 Für außen im Bau, besonders in feuchten Lagen Außenkonstruktionen „G“ = Holzschutz
WBP weather & boil proof (sehr robust) Außen / starke Belastung meist phenolisch Wenn maximale Wetter-/Feuchte-Reserve gefragt ist Außen, harte Beanspruchung je nach Hersteller-Ausführung
INT (Interieur) nur innen trocken Innen trocken Innenleime Für Möbel & Innenräume Möbel, Innenausbau nicht feucht/nicht außen
EXT (Exterieur) wetterbeständig Außen Außenleime Für draußen (Witterung) Außenkonstruktionen konstruktiver Schutz empfehlenswert
Tegofilm meist außenverleimt + Filmoberfläche Außen / sehr robust Außenleim + Film Top für Anhänger/Schalung/Transport, wenn Oberfläche hart sein soll Sieb/Filmplatten Kanten unbedingt schützen

D 3

Verleimung ist beständig in Räumen mit kurzfristig hoher Luftfeuchtigkeit und kurzzeitiger Wassereinwirkung

D 4

Verleimung ist beständig in Räumen mit extremen Klimaschwankungen und Wassereinwirkung bei Außenanwendung

Tegofilm

Verleimung ist beständig gegen alle Witterungs- und Feuchtigkeitseinflüsse (wetterbeständig)

P 2  (V 20)

Verleimung ist beständig bei Verwendung in Räumen mit allgemein niedriger  Luftfeuchte (nicht wetterbeständig)

P 3  (V 100)

Verleimung ist beständig gegen hohe Luftfeuchtigkeit (begrenzt wetterbeständig)

HWK 100

Verleimung ist beständig gegen hohe Luftfeuchtigkeit (begrenzt wetterbeständig)

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7. Spanplatten / MDF (Platten-Klassen im Innenausbau)

Bezeichnung Beständigkeit Einsatzbereich Empfehlung (Kaufhilfe) Typische Anwendungen Hinweise
P2 (V20) innen trocken Innen trocken Standard-Möbelplatte für trockene Bereiche Möbel, Innenausbau nicht für feuchte Räume
P3 (V100) feuchtebeständig (innen) Innen feucht Wenn Bad/Küche/Feuchtraum – aber nicht für außen Innenausbau, feuchte Räume Kanten besonders schützen
HWK100 hohe Luftfeuchte (begrenzt) Innen feucht / anspruchsvoller Wenn deutlich höhere Luftfeuchte zu erwarten ist Innenbereiche mit Feuchte je nach Hersteller-Definition

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8. Holzleim-Klassen (wenn du Holz selbst verleimst – nicht nur Platten kaufst)

Klasse Geeignet für Empfehlung (Kaufhilfe) Typische Beispiele
D3 innen mit zeitweise hoher Luftfeuchte / gelegentlich Wasser Für Küche/Bad innen, wenn es mal feucht wird Leisten, Möbelteile innen
D4 starke Feuchtebelastung, Außenanwendung (mit Schutz) Für anspruchsvolle Verleimungen – bei außen immer Oberflächenschutz einplanen Türen/Fensterbereiche, Außenbauteile